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Aktuelles
 01.07.2011

Nachruf


Nicht unerwartet aber viel zu früh verstarb ein
Freund der Rieselfelder

Peter Watermann

am 30. Juni 2011 im Alter von 65 Jahren.

 Peter war seit vielen Jahren eine anpackende Hilfe bei vielen praktischen Arbeiten. Viele Münsteraner erfreuen sich heute an den Bänken und Picknick-Garnituren die er mit einem Kollegen in den Rieselfeldern aufgestellt hat. Der barrierefreie Umbau der Beobachtungshütten wurde von ihm maßgeblich durchgeführt. Es verlässt uns ein Kollege und Freund, der nicht mäkelte, sondern die Dinge in die Hand nahm und änderte. Das Ehrenamt ist ärmer ohne ihn. Unsere Anteilnahme gehört den Angehörigen.

In stillem Gedenken

Die Mitarbeiter der
Biologischen Station Rieselfelder Münster
 


Peter Watermann


22.03.2011

3. Regionalkonferenz Naturschutz im Regierungsbezirk Münster

Freitag, 8. April 2011, ab14.00 Uhr

Seminarzentrum im Rieselfeldhof

Coermühle 100, 48157 Münster

Einladung und Programm

14.00

Begrüßung und Moderation: Michael Harengerd

14.15-15.00

Staatssekretär Udo Paschedag (MKULNV): Erneuerbare Energien und Klimaschutz in NRW; Rolle des Umweltministeriums bei der Eindämmung des Freiflächenverbrauchs

Ab 15.00

Schwerpunktthema: Entwurf des Regionalplans Münsterland

14.15-15.00

Regionalplaner Gregor Lange (Bezirksregierung): Schwerpunktziele der aktuellen Regionalplanung für das Münsterland – Ziele und Zielkonflikte

15.20-15.40

Prof. Dr. Wolfgang Gerß (NABU): Planerische und rechtliche Möglichkeiten zum Schutz des landschaftlichen Freiraums

15.40-16.15

Kaffeepause

16.15-16.45

Landesbüro der Naturschutzverbände (angefragt): Beispiele für Fehlplanungen im Regionalplanentwurf

17.10-17.30

Aktuelles zur Flözgasgewinnung im Münsterland

17.30-18.00

Statement der Umweltverbände des Münsterlandes

Anschließend gemütliches Beisammensein.

Anmeldungen zur Regionalkonferenz entweder über Ihre jeweilige Verbandsuntergliederung oder biologischestation@rieselfelder-muenster.de.

Berichte über die Regionalkonferenzen 2009 und 2010 finden Sie in www.regionalkonferenz-naturschutz-muensterland.de .

Hinweis I: Der Regionalplanentwurf ist über www.brms.nrw.de , dann Regionalplanung wählen, einsehbar.

Hinweis II: Die Auseinandersetzungen über die Flözgasbohrungen im Münsterland sind sehr gut dokumentiert in www.gegen-gasbohren.de.

 

Das Programm kann als PDF-Datei heruntergeladen werden.




01.03.2011

Michael Speckmann


1950 – 2010

Es war schon ein besonderes Stück Ironie, dass es ausgerechnet einer der Gegner des Projektes „Rieselfelder“ – nämlich der damalige Direktor des Landesmuseums für Naturkunde, Ludwig Franzisket – war, der mir am 17.10.1968 schrieb: „Mit diesem Brief sende ich einen jungen Ornithologen zu Ihnen, der auf Empfehlung seines Lehrers ... hier bei uns vorstellig wurde. ...möchte ich ihm empfehlen, sich Ihnen und Ihrer „Rieselfelder-Arbeitsgruppe“ anzuschließen ...“. Und so geschah es.

Denn Michael Speckmann wurde rasch zu einer der treibenden Kräfte des 1969 gestarteten avifaunistischen Forschungsprogramms in den Rieselfeldern, was die für eine Unterschutzstellung nötigen fachlichen Argumente liefern sollte. Sein Arbeitseinsatz in den Rieselfeldern war unübertroffen – ja, er beschloss sogar, „lediglich“ die PH zu absolvieren um Hauptschullehrer zu werden, weil dieses Studium ihm mehr Zeit für das Rieselfeld-Projekt lassen würde als ein „richtiges“ Universitätsstudium. So wurde er denn Lehrer an der Hauptschule Recke – ein bei den Schülerinnen und Schülern sehr beliebter übrigens, denn er nahm weder sich noch die Institution Schule allzu ernst - und es waren einige „Aktionen“ nötig, um ihm das Referendariat in der Nähe zu ermöglichen und später – während der Jahre dauernden „heißen“ Phase des Feuchtwiesenschutzes die Teilnahme an den zahlreichen Arbeitskreisen mit Bauern, Behörden und Naturschützern im Münsterland.

Parallel zu den Arbeiten vor Ort – vor allem die nahezu tägliche Bestandserfassung der charakteristischen Vogelarten, die Ablesung der Farbringe von 6 Limikolenarten und die Teilnahme an den zahlreichen Fangeinsätzen von März bis Mai und Ende Juni bis Oktober – vertiefte er sehr rasch auch seine Literaturkenntnisse; innerhalb weniger Jahre abonnierte er mehr ornithologische Fachzeitschriften aus aller Welt als alle anderen Mitarbeiter. Darüber hinaus war er ein besonders akribischer Mitarbeiter und Mitautor bei den fachlichen Veröffentlichungen aus den Rieselfeldern, was sich beispielsweise an der umfangreichen Publikation über die Zugphänologie der Limikolen in der „Vogelwelt“ 1973 und der Möwen im „Alcedo“ 1974 erwies, aber auch in den Arbeiten über den Gestaltungsplan für die Rieselfelder sowie in der Trendanalyse über die Bestandsentwicklungen der Limikolen und Enten im „Alcedo“ 1977. Auch im eher populärwissenschaftlichen Bereich zeigten sich seine Talente als Ko-Autor der Bücher über die Rieselfelder („Die Tundra ist mitten in Deutschland“, 1972 und „Die Rieselfelder Münster“, 1981).

Das Bestreben nach größtmöglicher fachlicher Perfektion machte auch vor dem eigenen Mitarbeiterkreis nicht halt: So regte er nach dem Umzug aus den Bauwagen in eine 300 m²-Baracke 1973 an, man sollte sich bei den regelmäßig stattfindenden Treffen auch mit Fachfragen wie etwa den Methoden der statistischen Materialauswertung befassen, was dann auch eine zeitlang geschah.

Der Zufall wollte es, dass Michael Speckmann 1978 eine kurze Zeitungsnotiz entdeckte, die von der Möglichkeit berichtete, Gebäude (und deren Einrichtung) für die Betreuung von bedeutenden Schutzgebieten durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (BMELF) kofinanzieren zu lassen. Wir haben diesen Hinweis sofort aufgegriffen und daraus entstand dann – nach langen Verhandlungen mit der Stadt Münster und auch dem BMELF (denn in der dem Bundesministerium unterstellten BFANL saß Wolfgang Erz, der leider nach dem umgewandelten Spruch von J. W. Goethe agierte: Der Erz das ist ein Teil der Kraft, die ...) – die auch vom Land NRW und von uns selbst (durch Eigenleistungen) mitfinanzierte neue Station, die im Mai 1980 endgültig bezogen werden konnte.

Unterstützt hat er aber nicht nur die Arbeit in den Rieselfeldern. Nachdem Anfang 1969 die Westfälische Ornithologen-Gesellschaft gegründet worden war, und Rieselfeld-Mitarbeiter wie z. B. Werner Prünte dort Verantwortung übernommen hatten, half er auch bei den nötigen praktischen Tätigkeiten wie dem Versand von Rundschreiben an die WO-G-Mitglieder oder der Herstellung der von Werner Prünte herausgegebenen Zeitschrift „Anthus“ (man kann sich das heute kaum noch vorstellen: In der „Vor-PC-Zeit“ benutzten wir eine Art elektrischer Schreibmaschine mit Speicher und verschiedenen Kugelköpfen – Composer genannt – zur möglichst preiswerten Herstellung der Druckvorlagen). Er kümmerte sich mehrere Jahre um die Publikation der „Westfälischen Beringungsübersichten“, half bei der Zusammenstellung der Sammelberichte, stellte den WO-G-Mitgliedern seine Vogelstimmen-Sammlung zur Verfügung (1971), erarbeitete zusammen u.a. mit Horst Mester ein Konzept zur Behandlung von Raritäten (1972) und beteiligte sich mit 3 MTB an der Brutverbreitungskartierung der WO-G (1972/73).

Als ab Mitte der 1970er Jahre die Bemühungen der WO-G und zahlreicher lokaler Naturschutzgruppen von Minden über Gert Ziegler, Soest über die ABU, Tecklenburg über die ANTL bis Ahaus über die AGON – um nur einige zu nennen – zum Schutz der westfälischen Feuchtwiesen immer intensiver wurden, war es Michael Speckmann, der erneut mit besonders großem Einsatz auffiel. Dies betraf zunächst wiederum die fachlichen Grundlagen für die in Feuchtwiesen brütenden Vogelarten: Kaum jemand kannte sich in den Gebieten vor allem der Münsterland-Kreise so gut aus wie er. Noch heute sind die fachlichen Debatten allen Mitstreitern in Erinnerung, bei denen es um die bestmögliche Abgrenzung der potentiellen Feuchtwiesen-Schutzgebiete ging.

Während die politische Auseinandersetzung um den Schutz der Rieselfelder weitgehend ohne seinen direkten Einsatz stattgefunden hatte, stürzte er sich beim Feuchtwiesenschutz auch unmittelbar in den Kampf mit den Behörden und der Politik. Legendär sind die Auseinandersetzungen mit der Flurbereinigung – ob im kleineren Kreise mit den Präsidenten des Landesamtes für Agrarordnung (zunächst Franz-Josef Lilotte, der noch geprägt war vom Problem der Ernährungssicherung nach dem 2. Weltkrieg, später dem sehr progressiven Rolf Kalkkuhl, der die Flurbereinigungsverwaltung behutsam zu einem Instrument umbaute, mit dem auch der Naturschutz unterstützt werden konnte) oder in großem Kreise mit den Vertretern der einzelnen Ämter für Agrarordnung oder bei den später eingerichteten Arbeitskreisen.

Allein für Ende 1982 standen z.B. folgende Termine mit seiner Beteiligung an: 20.10.82: Spitzengespräch in der LÖLF über Feuchtwiesen, 3.11. Ministerium (damals „MELF“), 12.11. RP wegen Gebietsauswahl, 3.12. Termin Feuchtwiesen Kreis Steinfurt, 15.12. Landtag NRW, Treffen mit Abgeordneten des Naturschutz-Arbeitskreises der SPD. Und so ging es weiter: Mindestens 35 Termine 1983 und 1984. Nach dem unvergessenen ersten Treffen mit dem neuen Landwirtschafts- und Naturschutzminister Klaus Matthiesen am 17.10.1984 in Gimbte („Naturschutz mit Geld ist keine Kunst“) ging es erst richtig los: In den ersten 5 Monaten 1985 nahm Michael Speckmann an mindestens 24 Feuchtwiesen-Terminen teil, vom „Spitzengespräch“ im MELF mit AL Thomas Neiss, GL Erwin Bauer, dem LÖLF-Präsidenten Albert Schmidt und LÖLF-AL Gert Schulte am 8.2., zu dem – für uns überraschend – abends noch der Minister hinzukam (der dann seinerseits noch später am Abend den Regierungspräsidenten Schleberger nach Düsseldorf bat – trotz Schneetreibens) bis zu den bis heute berüchtigten Protestversammlungen der Bauern am 10. und 11.2. in Epe, Ibbenbüren und Ahaus, wo die Landwirte in den vorgesehenen Schutzgebieten bei mehreren Graden unter Null versuchten, ihre Feuchtwiesen umzubrechen, um dadurch eine Unterschutzstellung zu verhindern, was wiederum MELF-Staatssekretär Hermann Bentrup per geordertem Sportflugzeug aus der Luft registrieren ließ ...

Und so ging es noch bis in die 1990er Jahre, bis das damals größte nordrhein-westfälische Naturschutzprogramm unter Dach und Fach war (wenn uns auch – nach dem starken Beginn 1984 – die zahlreichen später eingegangenen Kompromisse ein Gräuel waren).

Ab 1987 wurden die Feuchtwiesen-Aktivitäten bis nach Niedersachsen erweitert, wo sich dann – initiiert auch durch Johannes Melter und Achim Welz – 1990 der „Arbeitskreis Feuchtwiesenschutz Niedersachsen“ gründete, den Michael Speckmann in den ersten Jahren sehr aktiv unterstützte.

 Dennoch – schon 1974 erreichte mich ein kurzes Schreiben von Michael Speckmann, in dem er seinen Austritt aus der Biologischen Station erklärte. Begründung: „... weil ich aller Voraussicht nach für längere Zeit die nach meiner Meinung für eine Zugehörigkeit zur Rieselfeld-Arbeitsgemeinschaft notwendigen quantitativen Mindestanforderungen an Arbeitseinsatz nicht werde erfüllen können.“ Damit meinte er die Belastungen durch Berufsvorbereitung. Geändert hat dieses Schreiben eigentlich nichts: Es ging so weiter wie bisher. Er nahm bis Anfang der 1990er Jahre an fast allen wichtigen Treffen in der Station teil. Nur wurde hier von ihm mit diesem kurzen Schreiben sein „Absolutheitsanspruch“ manifest. Dieser konnte aber letztlich von niemandem wirklich erfüllt werden und sollte es eigentlich auch nicht. Jedenfalls zog er sich ab den 1990er Jahren mehr und mehr zurück. Er machte noch bis kurz vor seiner schweren Krankheit 2009 regelmäßige Exkursionen in die Feuchtwiesengebiete, wollte aber keinerlei Kontakt mit seinen zahlreichen früheren Weggefährten – weder aus den ehrenamtlichen noch aus den behördlichen Naturschutzkreisen. So ist mir sein Tod im Februar auch erst im November 2010 durch puren Zufall bekannt geworden.

Er hätte mit Sicherheit keinen Nachruf gewollt, weder diesen noch einen anderen. Aber der Naturschutz in NRW, die Westfälische Ornithologen-Gesellschaft und speziell die Feuchtwiesen im Münsterland sowie das EU-Vogelschutzgebiet Rieselfelder Münster haben ihm viel zu verdanken. Deswegen habe ich beschlossen, sein selbst auferlegtes fast zwei Jahrzehnte andauerndes „absolutes“ Isolationsverhalten ein letztes Mal zu durchbrechen.

Michael Harengerd