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Nachruf
†
Peter Watermann am 30. Juni 2011 im Alter von 65
Jahren. In stillem Gedenken
Die Mitarbeiter der ![]()
Freitag, 8. April 2011, ab14.00 Uhr Seminarzentrum im Rieselfeldhof Coermühle 100, 48157 Münster
Einladung und Programm
Anschließend gemütliches Beisammensein.
Anmeldungen zur Regionalkonferenz entweder über Ihre jeweilige Verbandsuntergliederung oder
biologischestation@rieselfelder-muenster.de. Berichte über die Regionalkonferenzen 2009 und 2010 finden Sie in www.regionalkonferenz-naturschutz-muensterland.de . Hinweis I: Der Regionalplanentwurf ist über www.brms.nrw.de , dann Regionalplanung wählen, einsehbar. Hinweis II: Die Auseinandersetzungen über die Flözgasbohrungen im Münsterland sind sehr gut dokumentiert in www.gegen-gasbohren.de.
Das Programm kann als PDF-Datei heruntergeladen werden.
† 1950 – 2010 Es war schon ein besonderes Stück
Ironie, dass es ausgerechnet einer der Gegner des
Projektes „Rieselfelder“ – nämlich der damalige
Direktor des Landesmuseums für Naturkunde, Ludwig
Franzisket – war, der mir am 17.10.1968 schrieb: „Mit
diesem Brief sende ich einen jungen Ornithologen zu
Ihnen, der auf Empfehlung seines Lehrers ... hier
bei uns vorstellig wurde. ...möchte ich ihm
empfehlen, sich Ihnen und Ihrer
„Rieselfelder-Arbeitsgruppe“ anzuschließen ...“.
Und so geschah es. Denn Michael Speckmann wurde
rasch zu einer der treibenden Kräfte des 1969
gestarteten avifaunistischen Forschungsprogramms in
den Rieselfeldern, was die für eine
Unterschutzstellung nötigen fachlichen Argumente
liefern sollte. Sein Arbeitseinsatz in den
Rieselfeldern war unübertroffen – ja, er beschloss
sogar, „lediglich“ die PH zu absolvieren um
Hauptschullehrer zu werden, weil dieses Studium ihm
mehr Zeit für das Rieselfeld-Projekt lassen würde
als ein „richtiges“ Universitätsstudium. So wurde er
denn Lehrer an der Hauptschule Recke – ein bei den
Schülerinnen und Schülern sehr beliebter übrigens,
denn er nahm weder sich noch die Institution Schule
allzu ernst - und es waren einige „Aktionen“ nötig,
um ihm das Referendariat in der Nähe zu ermöglichen
und später – während der Jahre dauernden „heißen“
Phase des Feuchtwiesenschutzes die Teilnahme an den
zahlreichen Arbeitskreisen mit Bauern, Behörden und
Naturschützern im Münsterland. Parallel zu den Arbeiten vor Ort
– vor allem die nahezu tägliche Bestandserfassung
der charakteristischen Vogelarten, die Ablesung der
Farbringe von 6 Limikolenarten und die Teilnahme an
den zahlreichen Fangeinsätzen von März bis Mai und
Ende Juni bis Oktober – vertiefte er sehr rasch auch
seine Literaturkenntnisse; innerhalb weniger Jahre
abonnierte er mehr ornithologische Fachzeitschriften
aus aller Welt als alle anderen Mitarbeiter. Darüber
hinaus war er ein besonders akribischer Mitarbeiter
und Mitautor bei den fachlichen Veröffentlichungen
aus den Rieselfeldern, was sich beispielsweise an
der umfangreichen Publikation über die Zugphänologie
der Limikolen in der „Vogelwelt“ 1973 und der Möwen
im „Alcedo“ 1974 erwies, aber auch in den Arbeiten
über den Gestaltungsplan für die Rieselfelder sowie
in der Trendanalyse über die Bestandsentwicklungen
der Limikolen und Enten im „Alcedo“ 1977. Auch im
eher populärwissenschaftlichen Bereich zeigten sich
seine Talente als Ko-Autor der Bücher über die
Rieselfelder („Die Tundra ist mitten in
Deutschland“, 1972 und „Die Rieselfelder Münster“,
1981). Das Bestreben nach größtmöglicher
fachlicher Perfektion machte auch vor dem eigenen
Mitarbeiterkreis nicht halt: So regte er nach dem
Umzug aus den Bauwagen in eine 300 m²-Baracke 1973
an, man sollte sich bei den regelmäßig
stattfindenden Treffen auch mit Fachfragen wie etwa
den Methoden der statistischen Materialauswertung
befassen, was dann auch eine zeitlang geschah. Der Zufall wollte es, dass
Michael Speckmann 1978 eine kurze Zeitungsnotiz
entdeckte, die von der Möglichkeit berichtete,
Gebäude (und deren Einrichtung) für die Betreuung
von bedeutenden Schutzgebieten durch das
Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und
Forsten (BMELF) kofinanzieren zu lassen. Wir haben
diesen Hinweis sofort aufgegriffen und daraus
entstand dann – nach langen Verhandlungen mit der
Stadt Münster und auch dem BMELF (denn in der dem
Bundesministerium unterstellten BFANL saß Wolfgang
Erz, der leider nach dem umgewandelten Spruch von J.
W. Goethe agierte: Der Erz das ist ein Teil der
Kraft, die ...) – die auch vom Land NRW und von uns
selbst (durch Eigenleistungen) mitfinanzierte neue
Station, die im Mai 1980 endgültig bezogen werden
konnte. Unterstützt hat er aber nicht nur
die Arbeit in den Rieselfeldern. Nachdem Anfang 1969
die Westfälische Ornithologen-Gesellschaft gegründet
worden war, und Rieselfeld-Mitarbeiter wie z. B.
Werner Prünte dort Verantwortung übernommen hatten,
half er auch bei den nötigen praktischen Tätigkeiten
wie dem Versand von Rundschreiben an die
WO-G-Mitglieder oder der Herstellung der von Werner
Prünte herausgegebenen Zeitschrift „Anthus“ (man
kann sich das heute kaum noch vorstellen: In der
„Vor-PC-Zeit“ benutzten wir eine Art elektrischer
Schreibmaschine mit Speicher und verschiedenen
Kugelköpfen – Composer genannt – zur möglichst
preiswerten Herstellung der Druckvorlagen). Er
kümmerte sich mehrere Jahre um die Publikation der
„Westfälischen Beringungsübersichten“, half bei der
Zusammenstellung der Sammelberichte, stellte den
WO-G-Mitgliedern seine Vogelstimmen-Sammlung zur
Verfügung (1971), erarbeitete zusammen u.a. mit
Horst Mester ein Konzept zur Behandlung von
Raritäten (1972) und beteiligte sich mit 3 MTB an
der Brutverbreitungskartierung der WO-G (1972/73). Als ab Mitte der 1970er Jahre die
Bemühungen der WO-G und zahlreicher lokaler
Naturschutzgruppen von Minden über Gert Ziegler,
Soest über die ABU, Tecklenburg über die ANTL bis
Ahaus über die AGON – um nur einige zu nennen – zum
Schutz der westfälischen Feuchtwiesen immer
intensiver wurden, war es Michael Speckmann, der
erneut mit besonders großem Einsatz auffiel. Dies
betraf zunächst wiederum die fachlichen Grundlagen
für die in Feuchtwiesen brütenden Vogelarten: Kaum
jemand kannte sich in den Gebieten vor allem der
Münsterland-Kreise so gut aus wie er. Noch heute
sind die fachlichen Debatten allen Mitstreitern in
Erinnerung, bei denen es um die bestmögliche
Abgrenzung der potentiellen
Feuchtwiesen-Schutzgebiete ging. Während die politische
Auseinandersetzung um den Schutz der Rieselfelder
weitgehend ohne seinen direkten Einsatz
stattgefunden hatte, stürzte er sich beim
Feuchtwiesenschutz auch unmittelbar in den Kampf mit
den Behörden und der Politik. Legendär sind die
Auseinandersetzungen mit der Flurbereinigung – ob im
kleineren Kreise mit den Präsidenten des Landesamtes
für Agrarordnung (zunächst Franz-Josef Lilotte, der
noch geprägt war vom Problem der Ernährungssicherung
nach dem 2. Weltkrieg, später dem sehr progressiven
Rolf Kalkkuhl, der die Flurbereinigungsverwaltung
behutsam zu einem Instrument umbaute, mit dem auch
der Naturschutz unterstützt werden konnte) oder in
großem Kreise mit den Vertretern der einzelnen Ämter
für Agrarordnung oder bei den später eingerichteten
Arbeitskreisen. Allein für Ende 1982 standen z.B.
folgende Termine mit seiner Beteiligung an:
20.10.82: Spitzengespräch in der LÖLF über
Feuchtwiesen, 3.11. Ministerium (damals „MELF“),
12.11. RP wegen Gebietsauswahl, 3.12. Termin
Feuchtwiesen Kreis Steinfurt, 15.12. Landtag NRW,
Treffen mit Abgeordneten des
Naturschutz-Arbeitskreises der SPD. Und so ging es
weiter: Mindestens 35 Termine 1983 und 1984. Nach
dem unvergessenen ersten Treffen mit dem neuen
Landwirtschafts- und Naturschutzminister Klaus
Matthiesen am 17.10.1984 in Gimbte („Naturschutz
mit Geld ist keine Kunst“) ging es erst richtig
los: In den ersten 5 Monaten 1985 nahm Michael
Speckmann an mindestens 24 Feuchtwiesen-Terminen
teil, vom „Spitzengespräch“ im MELF mit AL Thomas
Neiss, GL Erwin Bauer, dem LÖLF-Präsidenten Albert
Schmidt und LÖLF-AL Gert Schulte am 8.2., zu dem –
für uns überraschend – abends noch der Minister
hinzukam (der dann seinerseits noch später am Abend
den Regierungspräsidenten Schleberger nach
Düsseldorf bat – trotz Schneetreibens) bis zu den
bis heute berüchtigten Protestversammlungen der
Bauern am 10. und 11.2. in Epe, Ibbenbüren und
Ahaus, wo die Landwirte in den vorgesehenen
Schutzgebieten bei mehreren Graden unter Null
versuchten, ihre Feuchtwiesen umzubrechen, um
dadurch eine Unterschutzstellung zu verhindern, was
wiederum MELF-Staatssekretär Hermann Bentrup per
geordertem Sportflugzeug aus der Luft registrieren
ließ ... Und so ging es noch bis in die
1990er Jahre, bis das damals größte
nordrhein-westfälische Naturschutzprogramm unter
Dach und Fach war (wenn uns auch – nach dem starken
Beginn 1984 – die zahlreichen später eingegangenen
Kompromisse ein Gräuel waren). Ab 1987 wurden die
Feuchtwiesen-Aktivitäten bis nach Niedersachsen
erweitert, wo sich dann – initiiert auch durch
Johannes Melter und Achim Welz – 1990 der
„Arbeitskreis Feuchtwiesenschutz Niedersachsen“
gründete, den Michael Speckmann in den ersten Jahren
sehr aktiv unterstützte. Er hätte mit Sicherheit keinen
Nachruf gewollt, weder diesen noch einen anderen.
Aber der Naturschutz in NRW, die Westfälische
Ornithologen-Gesellschaft und speziell die
Feuchtwiesen im Münsterland sowie das
EU-Vogelschutzgebiet Rieselfelder Münster haben ihm
viel zu verdanken. Deswegen habe ich beschlossen,
sein selbst auferlegtes fast zwei Jahrzehnte
andauerndes „absolutes“ Isolationsverhalten ein
letztes Mal zu durchbrechen. Michael Harengerd
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