
Das heutige „Naturerlebnisgebiet“ verdankt seine Entstehung zwei Umständen:
1. Im Zuge der Aufstellung des Landschaftsplans „Nördliches Aatal und Vorbergshügel“ hatte der Rat der Stadt Münster beschlossen, den südöstlichen Teil der Rieselfelder als Bestandteil des EU-Vogelschutzgebietes „Rieselfelder Münster“ auszuweisen. Dieser Teil war nämlich nicht Gegenstand des Pachtvertrages zwischen Stadt und Land, mit dessen Hilfe von 1976 bis 1995 eine 233 ha große Teilfläche der Rieselfelder als „Feuchtgebiet internationaler Bedeutung“ gemäß Ramsar-Konvention diente (heutiges NSG). Der südöstliche Bereich war demgegenüber seit Einstellung der Abwasserzufuhr in großen Teilen als landwirtschaftliche Nutzfläche betrieben worden.
2. Zur Schaffung eines Schutzgebietsnetzes in der Europäischen Union hatte die EU-Kommission das Programm „Natura 2000“ beschlossen. Aus diesen Mitteln wurde dann vom 1.2.1997 bis zum 30.6.2000 das EU-Life-Projekt „Rieselfelder Münster“ zu rund 30% kofinanziert. Die restlichen 70% stellte das Land NRW zur Verfügung. Insgesamt wurden knapp 4,7 Mio DM investiert.
Denn im Laufe der Jahre hatte sich ein Kernproblem immer stärker bemerkbar gemacht: Auf den bestehenden 233 ha Feuchtgebietsflächen war eine Koexistenz zwischen schutzbedürftiger Natur und erholungssuchender Bevölkerung nicht mehr möglich.
Das Konzept sah also vor, den Südostteil so herzurichten, dass die Bevölkerung sowohl die im NSG vorhandenen Feucht- und Röhrichtflächen, Feuchtwiesen und Tiefwasserzonen erleben als sich auch weitgehend ungestört vom motorisierten Verkehr erholen konnte.
So wurden dann in diesen dreieinhalb Jahren mehrere Kilometer neue Rohrleitungen zur Bewässerung verlegt, neue Wanderwege, Beobachtungskanzeln und Informationstafeln installiert sowie die beiden großen Staubereiche am Ems- und Aa-Ableiter geschaffen.
Als Landschaftspfleger der besonderen Art haben wir die Äsungsflächen für die „Auerochsen“ erheblich ausgeweitet und damit neue Feuchtwiesenflächen geschaffen. Und wegen der sparsamen Mittelverwendung konnten wir zum Schluss noch als vorher gar nicht vorgesehene Maßnahme die Renaturierung des Wöstebaches auf mehreren hundert Metern umsetzen.
Auch die erste Phase der Umgestaltung des städtischen Rieselfeldhofes zum denkmalgeschützten Informationszentrum zu Landschaftsentwicklung, Naturschutz und Geschichte der Rieselfelder konnte begonnen werden.
In den Jahren nach Abschluss des Projektes entwickelten sich die neu angelegten Lebensräume in hervorragender Weise: Jeder Besucher und jede Besucherin können sich auf jedem der Rundwanderwege davon selbst überzeugen.